Archiv für den Monat: Oktober 2007

Freiheitskämpfer oder Terroristen? Ein „Denkmal“ wirft Fragen auf.

Am 6.9.2007 wurde an der FU mitten in den Semesterferien und ohne vorherige Diskussion eine Skulptur des Künstlers Volker Bartsch eingeweiht. Die Skulptur wurde von Präsident Dieter Lenzen einer Reihe von FU-Studierenden gewidmet, welche anfang der 50er Jahre aus Ostberlin verschleppt und später in Moskau durch die sowjetische Geheimpolizei hingerichtet wurden. Der Grund waren Widerstandshandlungen in der DDR, von den Behörden als „Spionage interpretiert.

Erst im Jahr 2005 hatte die russische Bürgerrechtsorganisation „Memorial“ die Gräber der Betroffenen aufgespürt und den Vorgang in Deutschland bekannt gemacht. Ein Gedenkort für diese Studierenden erschien uns damals durchaus angebracht – dennoch kritisierte die FSI Geschichte in einem Artikel die Widmung und ihre Umstände.

Ein wichtiger Kritikpunkt damals: es finden sich auf dem Sockel des Denkmals nirgendwo die Namen der Ermordeten – wohl aber ist großflächig der Name des Bankhauses Oppenheim angebracht – denn die Bank zahlte für das neue „Denkmal“. Ziemlich geschmacklos, fanden wir. Denn wenn weder die Widmung, noch die künstlerische Form des neuen Mahnmals eine Gedenkfunktion erfüllt, welchen Sinn macht es dann?

Ein Artikel aus der Berliner Zeitung vom 7. September wirft ein wenig Licht auf diesen Widerspruch:

„Aus Kunstkreisen ist zu hören, man habe längere Zeit nach einem Standort für das bereits fertige Kunstwerk gesucht, und die FU sei keineswegs die erste Wahl gewesen. Das klingt, als stehe es jetzt nur „zufällig“ für die Ehrung der ermordeten Studenten.“

Ein Leserbrief in derselben Ausgabe bestätigte noch einmal, dass die von Lenzen zum Mahnmal etikettierte Skulptur eigentlich keines ist:

„Weil sich für die Skulptur von Volker Bartsch im Berliner Stadtzentrum kein Platz fand, wird sie kurzerhand zum Mahnmal erklärt […] Die offene Form lässt halt viele, beliebige Lesarten zu. Der Künstler beklagt sich nicht, Hauptsache er wird im öffentlichen Raum platziert!“

Der Vorwurf der Beliebigkeit und Gedankenlosigkeit stand dementsprechend im Zentrum auch unserer Kritik. Mittlerweile wurden jedoch neue Informationen bekannt. Es könnte daher auch noch einen anderen Grund geben, warum die Namen der Studierenden nicht ganannt werden. Ein Bericht des Deutschlandfunk erklärt, was die FU-Studierenden denn nun eigentlich in Ostberlin taten und bringt ihre Aktionen in Zusammenhang mit der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“:

„Dieser Widerstand bestand darin, dass man also Flugblätter in die S-Bahn Züge klebte […] Kernpunkt und Kristallisationspunkt all dieser Organisationen war die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, hier in Westberlin beheimatet.“

Die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ wurde laut Informationen des Antifaschistischen Pressearchivs Berlin und des „Handbuch Rechtsextremismus“ von Jens Mecklenburg 1948 von westlichen Geheimdiensten als Vorfeld- und Spionageorganisation gegründet. Sie soll aktiv beim Aufbau eines Agentennetzes in der DDR mitgewirkt haben.

Dennoch war in der FU-Presserklärung und auch den Zeitungsberichten zur Enthüllung des Bartsch-Denkmals immer nur von „angeblicher Spionage“ die Rede. Mittlerweile jedoch hat die FU biographische Details der zehn Studenten veröffentlicht. Und gibt dabei selbst zu, daß einer der Ermordeten zur Zeit seiner Verhaftung „für einen Geheimdienst der Westalliierten“ arbeitete.
Selbst bewiesene Spionagevorwürfe würden natürlich Verschleppung und Erschießung nicht rechtfertigen. Allerdings ist es doch sehr fragwürdig, ob derartige Personenkreise ein Denkmal verdienen. Die mittlerweile zugänglichen Biographien bestätigen auch die Verbindungen von drei der zehn Studenten zur „Kampfgruppe“. Außerdem war einer der genannten zehn laut FU-Angaben von 1941 bis 1944 Mitglied der NSDAP, wurde dann jedoch aus der Partei ausgeschlossen. Anscheinend hat das Präsidium der FU wider besseres Wissen die Widmung auf dem Sockel des „Denkmals“ so bewußt vage und nichtssagend gehalten. Sollte hier eine öffentliche Diskussion über die durchaus streitbaren Biographien einiger der Geeehrten vermieden werden?

Insbesondere die Verbindungen zur „Kampfgruppe“ passen nicht ins von der FU gepflegte Bild der „Freiheitskämpfer“. Denn die Vorwürfe, die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ sei eine Vorfeldorganisation von CIA und BND gewesen sind nicht neu, auch sie sind keineswegs ein Werk linker Verschwörungstheoretiker. Selbst auf der Website des „Deutschen Historischen Museums“ liest man über die „Kampfgruppe“ und verwandte Organisationen, sie hätten sich für ihre Informationen gut bezahlen lassen, ja geradezu um die Gelder der Nachrichtendienste konkurriert:

„Das Geld kam vom US-Geheimdienst. Nach dem Wert der Nachrichten richtete sich die Höhe der Zuwendungen. „Das war ein hartes Geschäft nach der Devise „Ware gegen Geld“, erinnert sich ein BND-Veteran.“

Aber nicht nur Spionage, sondern auch „aktive Sabotage“ wurde von der „Kampfgruppe“ betrieben. Im „Spiegel“ vom 19.11.1952 wird von Brandstiftungen, Sabotage an Telefonanlagen und Vorbereitungen zu Brückensprengungen(!) berichtet, welche die DDR-Behörden der Kampfgruppe zu Last legten. Auch der Spiegel nahm die Kampfgruppe deshalb keineswegs in Schutz und kommentierte:

„…Das war der hartgesottenen „Kampfgruppe“ zu zahm. Sie wollte die rote Diktatur ins Wanken bringen. Sie verlegte sich auf anderes. Sie beauftragte teilweise unerfahrene Jungen, die aus Empörung gegen die Kommunisten alles mitzumachen bereit waren, verantwortungslos mit vertrackten Aufträgen; die Jungen fielen dem sowjetdeutschen „Staatssicherheitsdienst“ reihenweise in die Hände und müssen wegen sinnloser, fehlgeschlagener Unternehmen die besten Jahre ihres Lebens im Zuchthaus verbringen.“

Haben vielleicht einige dieser „unerfahrenen Jungen“ ihre Aktionen nicht nur mit dem Zuchthaus bezahlt, sondern mit dem Leben?

Fest steht: selbst zeitgenössische, keinesfalls kommunismusverdächtige Organe wie der Spiegel stuften also die „Kampfgruppe“ und ihre Handlungen als unverantwortlich, ja geradezu terroristisch ein. Folgt man obigem Zitat, handelt es sich um die ermordeten Studierenden nicht allein um Opfer von Stalins Geheimpolizei, sie erscheinen gleichermaßen als Opfer der West-Geheimdienste, die sie wissentlich auf Himmelfahrtskommandos schickten.

Wie sind nun die Taten der in Moskau ermordeten FU-Studierenden zu bewerten? Waren sie Opfer des Kalten Krieges, fehlgeleitete Idealisten? Oder antikommunistische Überzeugungstäter und Terroristen? Oder einfach nur bezahlte Spione? Um diese Fragen zu beantworten, bräuchten wir mehr Informationen. Waren die Betroffenen Mitglieder der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit? Sympathisierten sie mit ihr? Welche Aktionen führten sie in der DDR/SBZ eigentlich aus? Weder das Denkmal noch die begleitenden Presserklärungen vermitteln derartige Hintergründe.

Denn für das FU Präsidium scheint die Sache Klar: Freiheitskämpfer, Opfer des Kommunismus, und mehr möchte man nicht wissen. Wir finden diesen Umgang mit Geschichte skandalös. Entweder, die Betroffenen wurden tatsächlich ermordet wegen ihres Engagement für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte. Dann möchten wir aber bitte genau wissen: wie sah ihr Engagement genau aus, wie können sie für uns Vorbild sein?
Oder aber die Hinweise auf eine Verbindung der Ermordeten zur „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ erhärten sich. Und dann wären die Studierenden kaum Freiheitskämpfer zu nennen. Aus diesem Grund ist jetzige „Denkmal“ schlichtweg kein Denkmal. Es ist allenfalls ein Marketinggag für die FU. Denn die Skulptur vermittelt keine Inhalte und hat keinerlei erinnernde Funktion. Für wirkliche Freiheitskämpfer wäre ein derartiges „Denkmal“ geradezu beleidigend, für die „Kampfgruppe“ und ähnliche Personenkreise jedoch brauchen wir kein Denkmal.

Die FSI Geschichte und der AStA haben daher das Präsidium zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die Diskussion dient dazu, Klarheit zu schaffen. Warum nennt das „Denkmal“ keine Namen? Welche Rolle spielten die zehn Ermordeten in der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“? Haben wir ein Denkmal für Terroristen an der FU?

Die Diskussion findet statt am 6.11.07. um 18h im Henry-Ford-Bau, Hörsaal D. Eingeladen ist FU-Präsident Lenzen, es diskutieren weiter der Historiker und Autor Prof. Wolfgang Wippermann sowie ein Vertreter des AStA.

Zusätzlich zur Kontroverse um das Denkmal wollen wir uns in der Debatte auch mit anderen Aspekten der Erinnerungspolitik an der FU beschäftigen . Zur Sprache kommen sowohl der Antisemitismusstreit um den Henry-Ford-Bau und die seltsame Bewertung des Nationalsozialismus in der FU-Ausstellung „Zukunft von Anfang“.

Weitere Informationen zum Thema:

Gedenken ohne Kontext? Geschichte an der FU
(Artikel mit Fotos des neuen „Denkmals“)

Geschichte als Verdrängung – wie der Markt das Erinnern verändert

Antisemitismusstreit um Henry-Ford-Bau

Freiheitskämpfer oder Terroristen? Ein „Denkmal“ wirft Fragen auf.

Am 6.9.2007 wurde an der FU mitten in den Semesterferien und ohne vorherige Diskussion eine Skulptur des Künstlers Volker Bartsch eingeweiht. Die Skulptur wurde von Präsident Dieter Lenzen einer Reihe von FU-Studierenden gewidmet, welche anfang der 50er Jahre aus Ostberlin verschleppt und später in Moskau durch die sowjetische Geheimpolizei hingerichtet wurden. Der Grund waren Widerstandshandlungen in der DDR, von den Behörden als „Spionage interpretiert.

Erst im Jahr 2005 hatte die russische Bürgerrechtsorganisation „Memorial“ die Gräber der Betroffenen aufgespürt und den Vorgang in Deutschland bekannt gemacht. Ein Gedenkort für diese Studierenden erschien uns damals durchaus angebracht – dennoch kritisierte die FSI Geschichte in einem Artikel die Widmung und ihre Umstände.

Ein wichtiger Kritikpunkt damals: es finden sich auf dem Sockel des Denkmals nirgendwo die Namen der Ermordeten – wohl aber ist großflächig der Name des Bankhauses Oppenheim angebracht – denn die Bank zahlte für das neue „Denkmal“. Ziemlich geschmacklos, fanden wir. Denn wenn weder die Widmung, noch die künstlerische Form des neuen Mahnmals eine Gedenkfunktion erfüllt, welchen Sinn macht es dann?

Ein Artikel aus der Berliner Zeitung vom 7. September wirft ein wenig Licht auf diesen Widerspruch:

„Aus Kunstkreisen ist zu hören, man habe längere Zeit nach einem Standort für das bereits fertige Kunstwerk gesucht, und die FU sei keineswegs die erste Wahl gewesen. Das klingt, als stehe es jetzt nur „zufällig“ für die Ehrung der ermordeten Studenten.“

Ein Leserbrief in derselben Ausgabe bestätigte noch einmal, dass die von Lenzen zum Mahnmal etikettierte Skulptur eigentlich keines ist:

„Weil sich für die Skulptur von Volker Bartsch im Berliner Stadtzentrum kein Platz fand, wird sie kurzerhand zum Mahnmal erklärt […] Die offene Form lässt halt viele, beliebige Lesarten zu. Der Künstler beklagt sich nicht, Hauptsache er wird im öffentlichen Raum platziert!“

Der Vorwurf der Beliebigkeit und Gedankenlosigkeit stand dementsprechend im Zentrum auch unserer Kritik. Mittlerweile wurden jedoch neue Informationen bekannt. Es könnte daher auch noch einen anderen Grund geben, warum die Namen der Studierenden nicht ganannt werden. Ein Bericht des Deutschlandfunk erklärt, was die FU-Studierenden denn nun eigentlich in Ostberlin taten und bringt ihre Aktionen in Zusammenhang mit der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“:

„Dieser Widerstand bestand darin, dass man also Flugblätter in die S-Bahn Züge klebte […] Kernpunkt und Kristallisationspunkt all dieser Organisationen war die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, hier in Westberlin beheimatet.“

Die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ wurde laut Informationen des Antifaschistischen Pressearchivs Berlin und des „Handbuch Rechtsextremismus“ von Jens Mecklenburg 1948 von westlichen Geheimdiensten als Vorfeld- und Spionageorganisation gegründet. Sie soll aktiv beim Aufbau eines Agentennetzes in der DDR mitgewirkt haben.

Dennoch war in der FU-Presserklärung und auch den Zeitungsberichten zur Enthüllung des Bartsch-Denkmals immer nur von „angeblicher Spionage“ die Rede. Mittlerweile jedoch hat die FU biographische Details der zehn Studenten veröffentlicht. Und gibt dabei selbst zu, daß einer der Ermordeten zur Zeit seiner Verhaftung „für einen Geheimdienst der Westalliierten“ arbeitete.
Selbst bewiesene Spionagevorwürfe würden natürlich Verschleppung und Erschießung nicht rechtfertigen. Allerdings ist es doch sehr fragwürdig, ob derartige Personenkreise ein Denkmal verdienen. Die mittlerweile zugänglichen Biographien bestätigen auch die Verbindungen von drei der zehn Studenten zur „Kampfgruppe“. Außerdem war einer der genannten zehn laut FU-Angaben von 1941 bis 1944 Mitglied der NSDAP, wurde dann jedoch aus der Partei ausgeschlossen. Anscheinend hat das Präsidium der FU wider besseres Wissen die Widmung auf dem Sockel des „Denkmals“ so bewußt vage und nichtssagend gehalten. Sollte hier eine öffentliche Diskussion über die durchaus streitbaren Biographien einiger der Geeehrten vermieden werden?

Insbesondere die Verbindungen zur „Kampfgruppe“ passen nicht ins von der FU gepflegte Bild der „Freiheitskämpfer“. Denn die Vorwürfe, die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ sei eine Vorfeldorganisation von CIA und BND gewesen sind nicht neu, auch sie sind keineswegs ein Werk linker Verschwörungstheoretiker. Selbst auf der Website des „Deutschen Historischen Museums“ liest man über die „Kampfgruppe“ und verwandte Organisationen, sie hätten sich für ihre Informationen gut bezahlen lassen, ja geradezu um die Gelder der Nachrichtendienste konkurriert:

„Das Geld kam vom US-Geheimdienst. Nach dem Wert der Nachrichten richtete sich die Höhe der Zuwendungen. „Das war ein hartes Geschäft nach der Devise „Ware gegen Geld“, erinnert sich ein BND-Veteran.“

Aber nicht nur Spionage, sondern auch „aktive Sabotage“ wurde von der „Kampfgruppe“ betrieben. Im „Spiegel“ vom 19.11.1952 wird von Brandstiftungen, Sabotage an Telefonanlagen und Vorbereitungen zu Brückensprengungen(!) berichtet, welche die DDR-Behörden der Kampfgruppe zu Last legten. Auch der Spiegel nahm die Kampfgruppe deshalb keineswegs in Schutz und kommentierte:

„…Das war der hartgesottenen „Kampfgruppe“ zu zahm. Sie wollte die rote Diktatur ins Wanken bringen. Sie verlegte sich auf anderes. Sie beauftragte teilweise unerfahrene Jungen, die aus Empörung gegen die Kommunisten alles mitzumachen bereit waren, verantwortungslos mit vertrackten Aufträgen; die Jungen fielen dem sowjetdeutschen „Staatssicherheitsdienst“ reihenweise in die Hände und müssen wegen sinnloser, fehlgeschlagener Unternehmen die besten Jahre ihres Lebens im Zuchthaus verbringen.“

Haben vielleicht einige dieser „unerfahrenen Jungen“ ihre Aktionen nicht nur mit dem Zuchthaus bezahlt, sondern mit dem Leben?

Fest steht: selbst zeitgenössische, keinesfalls kommunismusverdächtige Organe wie der Spiegel stuften also die „Kampfgruppe“ und ihre Handlungen als unverantwortlich, ja geradezu terroristisch ein. Folgt man obigem Zitat, handelt es sich um die ermordeten Studierenden nicht allein um Opfer von Stalins Geheimpolizei, sie erscheinen gleichermaßen als Opfer der West-Geheimdienste, die sie wissentlich auf Himmelfahrtskommandos schickten.

Wie sind nun die Taten der in Moskau ermordeten FU-Studierenden zu bewerten? Waren sie Opfer des Kalten Krieges, fehlgeleitete Idealisten? Oder antikommunistische Überzeugungstäter und Terroristen? Oder einfach nur bezahlte Spione? Um diese Fragen zu beantworten, bräuchten wir mehr Informationen. Waren die Betroffenen Mitglieder der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit? Sympathisierten sie mit ihr? Welche Aktionen führten sie in der DDR/SBZ eigentlich aus? Weder das Denkmal noch die begleitenden Presserklärungen vermitteln derartige Hintergründe.

Denn für das FU Präsidium scheint die Sache Klar: Freiheitskämpfer, Opfer des Kommunismus, und mehr möchte man nicht wissen. Wir finden diesen Umgang mit Geschichte skandalös. Entweder, die Betroffenen wurden tatsächlich ermordet wegen ihres Engagement für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte. Dann möchten wir aber bitte genau wissen: wie sah ihr Engagement genau aus, wie können sie für uns Vorbild sein?
Oder aber die Hinweise auf eine Verbindung der Ermordeten zur „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ erhärten sich. Und dann wären die Studierenden kaum Freiheitskämpfer zu nennen. Aus diesem Grund ist jetzige „Denkmal“ schlichtweg kein Denkmal. Es ist allenfalls ein Marketinggag für die FU. Denn die Skulptur vermittelt keine Inhalte und hat keinerlei erinnernde Funktion. Für wirkliche Freiheitskämpfer wäre ein derartiges „Denkmal“ geradezu beleidigend, für die „Kampfgruppe“ und ähnliche Personenkreise jedoch brauchen wir kein Denkmal.

Die FSI Geschichte und der AStA haben daher das Präsidium zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die Diskussion dient dazu, Klarheit zu schaffen. Warum nennt das „Denkmal“ keine Namen? Welche Rolle spielten die zehn Ermordeten in der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“? Haben wir ein Denkmal für Terroristen an der FU?

Die Diskussion findet statt am 6.11.07. um 18h im Henry-Ford-Bau, Hörsaal D. Eingeladen ist FU-Präsident Lenzen, es diskutieren weiter der Historiker und Autor Prof. Wolfgang Wippermann sowie ein Vertreter des AStA.

Zusätzlich zur Kontroverse um das Denkmal wollen wir uns in der Debatte auch mit anderen Aspekten der Erinnerungspolitik an der FU beschäftigen . Zur Sprache kommen sowohl der Antisemitismusstreit um den Henry-Ford-Bau und die seltsame Bewertung des Nationalsozialismus in der FU-Ausstellung „Zukunft von Anfang“.

Weitere Informationen zum Thema:

Gedenken ohne Kontext? Geschichte an der FU
(Artikel mit Fotos des neuen „Denkmals“)

Geschichte als Verdrängung – wie der Markt das Erinnern verändert

Antisemitismusstreit um Henry-Ford-Bau

Geschichte als Verdrängung – wie der Markt das Erinnern verändert

Nicht nur die Kontroversen um das im September an der FU eingeweihte „Freiheitsdenkmal“ weisen darauf hin, das in Sachen Geschichte an der FU die Dinge auf fatale Weise schief laufen. Auch andere Vorgänge machen immer wieder deutlich: Geschichte ist für das FU-Präsidium nur ein Rohstoff für Imagekampagnen. Im Stile einer Unternehmensgeschichte pickt man sich Erfreuliches heraus und verdrängt alle unangenehmen Facetten.
Seit Jahren schon weigert sich etwa die FU und namentlich Präsident Lenzen, eine Umbenennung des Henry-Ford-Bau zu erwägen, obwohl Ford sich als antisemitischer Publizist betätigte und mit dem Buch „Ihe International Jew“ eine der populärsten zeitgenössischen antisemitischen Schriften herausgab.

Präsident Lenzen beharrt in diesem Zusammenhang nachdrücklich auf der Behauptung, der Ford-Bau sei nach Ford´s Enkel Henry Ford II. benannt – eine Behauptung, für die es keinerlei Beweise gibt, wie die FSI Geschichte in einem Artikel eindeutig zeigte: Der Ford-Bau wurde niemals eindeutig Henry Ford II. gewidmet – sonst hieße er ja auch „Henry-Ford II.-Bau“ oder “ HenryFord Junior Bau“

Auch hier folgt das Gedenken bzw. die Erinnerungspolitik rein instrumentellen, image-orientierten Kriterien. Obwohl die Vorwürfe gegen Ford seit Jahrzehnten bekannt sind, flüchtet sich die FU in Schutzbehauptungen, um die Vergabe von Geldern durch die Ford-Stiftung nicht zu gefährden. Dennoch wurde die wurde die Auseinandersetzung von der Presse weitgehend ignoriert – obwohl der AStA ausführliche Pressemitteilungen zum Thema herausgegeben hatte. Lediglich die marxistische Tageszeitung „Junge Welt“ und die „Jüdische Allgemeine“ berichteten seinerzeit über den Vorgang, die Mainstreampresse begnügte sich damit, die Versionen des Präsidiums abzuschreiben.

Auch beim Thema Faschismus und NS-Erbe ist die FU gut im Verdrängen. Nach wie vor werden auf der FU-Homepage die Institute der „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft“ in verharmlosender weise als „deutsches Oxford“, als Standort exzellenter Wissenschaft porträtiert. Die Texte der Homepage stammen aus der Im Henry-Ford-Bau zu besichtigenden Ausstellung „Zukunft von Anfang an„, die 204 entworfen wurde und die FU-Geschichte als „Erfolgsgeschichte“ aufbereitet.

Zwar wird in den Texten auch erwähnt, dass in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft auch die Nazis ihre Rassen- und Kriegswissenschaft betrieben, jedoch verschwindet diese Problematisierung hinter allerlei Beschönigungen. Es wird etwa der Eindruck erweckt, dass „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“, in dessen Gebäude heute die FU-Politikwissenschaft eingerichtet ist, habe sich erst seit Sommer 1933 mit rassistischer Forschung beschäftigt. Dabei sagt allein der Titel 1926 gegründeten Instituts klar aus, dass hier schon in der Weimarer Republik eine rassistische Forschungstradition etabliert wurde, welche die Nazis fertig vorfanden. Denn „Eugenik“ meint nichts anderes als die Reinigung des „Volkskörpers“ von „kranken“ und unerwünschten „Elementen“, sprich Menschen..

In der FU-Geschichtsschreibung liest sich das so:

„Das Institut entwickelte sich schnell zu dem humangenetischen Zentrum in Deutschland und erwarb sich u.a. durch seine empirische Grundlagenforschung Anerkennung.“

Quelle: http://www.fu-berlin.de/tour/geschichtsausstellung/geschichte/kwi_anthro/index.html

An dieser Stelle hätte es sich angeboten, die heutige Humangenetik auf ihre NS-Wurzeln und unverarbeiteten Prämissen abzuklopfen, oder auch auf die menschenverachtende Kontinuität aktueller eugenischer Argumentationen etwa gegenüber Behinderten hinzuweisen. Stattdessen versucht die FU hier, mit der künstlichen Trennung „vor 1933/nach 1933“ auch noch aus einem Institut, dessen bekanntester Mitarbeiter Joseph Mengele war, symbolisches Kapital zu schlagen.

An diesen zwei Beispielen wird deutlich, was die Kommerzialisierung der Universitäten und ihre Inszenierung als Unternehmen eines zukünftigen Bildungsmarktes bedeutet: eine Geschichtswahrnehmung, die kritisch, hinterfragend ihre Verantwortung wahrnimmt, hat hier nichts zu suchen. Am Umgang der FU mit 1968 und Studierendenprotesten im Allgemeinen ließe sich dieser Vorgang genauso aufzeichnen. Zwar war der Mainstream der Geschichte immer schon Herrschaftsgeschichte, und das ist im Falle der FU nicht anders. Die Vermarktwirtschaftlichung des Erinnerns offenbart jedoch eine ungeahnte Steigerung des Verdrängens.

Denn die Universitäten der Zukunft brauchen eine Erfolggeschichte. Die „Exzellenz“ der eigenen Uni muss schon „von anfang an“, also weit in der Vergangenheit angelegt sein. Und wenn die Vergangenheit nicht dazu passt, dann wird sie eben passend gemacht. Wenn man dazu den Faschismus in Orwellscher Manier schönreden muss, dann wird auch das gemacht – der Markt verlangt es.

Gedenkpolitik, Geschichtsrevisionismus, Erinnerung und Image – genau diese Fragen sind Thema der Podiumsdiskussion „Die Freiheit die ich meine?“ welche die FSI Geschichte am 6.11 gemeinsam mit dem AStA ausrichtet.

Geschichte als Verdrängung – wie der Markt das Erinnern verändert

Nicht nur die Kontroversen um das im September an der FU eingeweihte „Freiheitsdenkmal“ weisen darauf hin, das in Sachen Geschichte an der FU die Dinge auf fatale Weise schief laufen. Auch andere Vorgänge machen immer wieder deutlich: Geschichte ist für das FU-Präsidium nur ein Rohstoff für Imagekampagnen. Im Stile einer Unternehmensgeschichte pickt man sich Erfreuliches heraus und verdrängt alle unangenehmen Facetten.
Seit Jahren schon weigert sich etwa die FU und namentlich Präsident Lenzen, eine Umbenennung des Henry-Ford-Bau zu erwägen, obwohl Ford sich als antisemitischer Publizist betätigte und mit dem Buch „Ihe International Jew“ eine der populärsten zeitgenössischen antisemitischen Schriften herausgab.

Präsident Lenzen beharrt in diesem Zusammenhang nachdrücklich auf der Behauptung, der Ford-Bau sei nach Ford´s Enkel Henry Ford II. benannt – eine Behauptung, für die es keinerlei Beweise gibt, wie die FSI Geschichte in einem Artikel eindeutig zeigte: Der Ford-Bau wurde niemals eindeutig Henry Ford II. gewidmet – sonst hieße er ja auch „Henry-Ford II.-Bau“ oder “ HenryFord Junior Bau“

Auch hier folgt das Gedenken bzw. die Erinnerungspolitik rein instrumentellen, image-orientierten Kriterien. Obwohl die Vorwürfe gegen Ford seit Jahrzehnten bekannt sind, flüchtet sich die FU in Schutzbehauptungen, um die Vergabe von Geldern durch die Ford-Stiftung nicht zu gefährden. Dennoch wurde die wurde die Auseinandersetzung von der Presse weitgehend ignoriert – obwohl der AStA ausführliche Pressemitteilungen zum Thema herausgegeben hatte. Lediglich die marxistische Tageszeitung „Junge Welt“ und die „Jüdische Allgemeine“ berichteten seinerzeit über den Vorgang, die Mainstreampresse begnügte sich damit, die Versionen des Präsidiums abzuschreiben.

Auch beim Thema Faschismus und NS-Erbe ist die FU gut im Verdrängen. Nach wie vor werden auf der FU-Homepage die Institute der „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft“ in verharmlosender weise als „deutsches Oxford“, als Standort exzellenter Wissenschaft porträtiert. Die Texte der Homepage stammen aus der Im Henry-Ford-Bau zu besichtigenden Ausstellung „Zukunft von Anfang an„, die 204 entworfen wurde und die FU-Geschichte als „Erfolgsgeschichte“ aufbereitet.

Zwar wird in den Texten auch erwähnt, dass in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft auch die Nazis ihre Rassen- und Kriegswissenschaft betrieben, jedoch verschwindet diese Problematisierung hinter allerlei Beschönigungen. Es wird etwa der Eindruck erweckt, dass „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“, in dessen Gebäude heute die FU-Politikwissenschaft eingerichtet ist, habe sich erst seit Sommer 1933 mit rassistischer Forschung beschäftigt. Dabei sagt allein der Titel 1926 gegründeten Instituts klar aus, dass hier schon in der Weimarer Republik eine rassistische Forschungstradition etabliert wurde, welche die Nazis fertig vorfanden. Denn „Eugenik“ meint nichts anderes als die Reinigung des „Volkskörpers“ von „kranken“ und unerwünschten „Elementen“, sprich Menschen..

In der FU-Geschichtsschreibung liest sich das so:

„Das Institut entwickelte sich schnell zu dem humangenetischen Zentrum in Deutschland und erwarb sich u.a. durch seine empirische Grundlagenforschung Anerkennung.“

Quelle: http://www.fu-berlin.de/tour/geschichtsausstellung/geschichte/kwi_anthro/index.html

An dieser Stelle hätte es sich angeboten, die heutige Humangenetik auf ihre NS-Wurzeln und unverarbeiteten Prämissen abzuklopfen, oder auch auf die menschenverachtende Kontinuität aktueller eugenischer Argumentationen etwa gegenüber Behinderten hinzuweisen. Stattdessen versucht die FU hier, mit der künstlichen Trennung „vor 1933/nach 1933“ auch noch aus einem Institut, dessen bekanntester Mitarbeiter Joseph Mengele war, symbolisches Kapital zu schlagen.

An diesen zwei Beispielen wird deutlich, was die Kommerzialisierung der Universitäten und ihre Inszenierung als Unternehmen eines zukünftigen Bildungsmarktes bedeutet: eine Geschichtswahrnehmung, die kritisch, hinterfragend ihre Verantwortung wahrnimmt, hat hier nichts zu suchen. Am Umgang der FU mit 1968 und Studierendenprotesten im Allgemeinen ließe sich dieser Vorgang genauso aufzeichnen. Zwar war der Mainstream der Geschichte immer schon Herrschaftsgeschichte, und das ist im Falle der FU nicht anders. Die Vermarktwirtschaftlichung des Erinnerns offenbart jedoch eine ungeahnte Steigerung des Verdrängens.

Denn die Universitäten der Zukunft brauchen eine Erfolggeschichte. Die „Exzellenz“ der eigenen Uni muss schon „von anfang an“, also weit in der Vergangenheit angelegt sein. Und wenn die Vergangenheit nicht dazu passt, dann wird sie eben passend gemacht. Wenn man dazu den Faschismus in Orwellscher Manier schönreden muss, dann wird auch das gemacht – der Markt verlangt es.

Gedenkpolitik, Geschichtsrevisionismus, Erinnerung und Image – genau diese Fragen sind Thema der Podiumsdiskussion „Die Freiheit die ich meine?“ welche die FSI Geschichte am 6.11 gemeinsam mit dem AStA ausrichtet.

Geschichte als Verdrängung – wie der Markt das Erinnern verändert

Nicht nur die Kontroversen um das im September an der FU eingeweihte „Freiheitsdenkmal“ weisen darauf hin, das in Sachen Geschichte an der FU die Dinge auf fatale Weise schief laufen. Auch andere Vorgänge machen immer wieder deutlich: Geschichte ist für das FU-Präsidium nur ein Rohstoff für Imagekampagnen. Im Stile einer Unternehmensgeschichte pickt man sich Erfreuliches heraus und verdrängt alle unangenehmen Facetten.
Seit Jahren schon weigert sich etwa die FU und namentlich Präsident Lenzen, eine Umbenennung des Henry-Ford-Bau zu erwägen, obwohl Ford sich als antisemitischer Publizist betätigte und mit dem Buch „Ihe International Jew“ eine der populärsten zeitgenössischen antisemitischen Schriften herausgab.

Präsident Lenzen beharrt in diesem Zusammenhang nachdrücklich auf der Behauptung, der Ford-Bau sei nach Ford´s Enkel Henry Ford II. benannt – eine Behauptung, für die es keinerlei Beweise gibt, wie die FSI Geschichte in einem Artikel eindeutig zeigte: Der Ford-Bau wurde niemals eindeutig Henry Ford II. gewidmet – sonst hieße er ja auch „Henry-Ford II.-Bau“ oder “ HenryFord Junior Bau“

Auch hier folgt das Gedenken bzw. die Erinnerungspolitik rein instrumentellen, image-orientierten Kriterien. Obwohl die Vorwürfe gegen Ford seit Jahrzehnten bekannt sind, flüchtet sich die FU in Schutzbehauptungen, um die Vergabe von Geldern durch die Ford-Stiftung nicht zu gefährden. Dennoch wurde die wurde die Auseinandersetzung von der Presse weitgehend ignoriert – obwohl der AStA ausführliche Pressemitteilungen zum Thema herausgegeben hatte. Lediglich die marxistische Tageszeitung „Junge Welt“ und die „Jüdische Allgemeine“ berichteten seinerzeit über den Vorgang, die Mainstreampresse begnügte sich damit, die Versionen des Präsidiums abzuschreiben.

Auch beim Thema Faschismus und NS-Erbe ist die FU gut im Verdrängen. Nach wie vor werden auf der FU-Homepage die Institute der „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft“ in verharmlosender weise als „deutsches Oxford“, als Standort exzellenter Wissenschaft porträtiert. Die Texte der Homepage stammen aus der Im Henry-Ford-Bau zu besichtigenden Ausstellung „Zukunft von Anfang an„, die 204 entworfen wurde und die FU-Geschichte als „Erfolgsgeschichte“ aufbereitet.

Zwar wird in den Texten auch erwähnt, dass in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft auch die Nazis ihre Rassen- und Kriegswissenschaft betrieben, jedoch verschwindet diese Problematisierung hinter allerlei Beschönigungen. Es wird etwa der Eindruck erweckt, dass „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“, in dessen Gebäude heute die FU-Politikwissenschaft eingerichtet ist, habe sich erst seit Sommer 1933 mit rassistischer Forschung beschäftigt. Dabei sagt allein der Titel 1926 gegründeten Instituts klar aus, dass hier schon in der Weimarer Republik eine rassistische Forschungstradition etabliert wurde, welche die Nazis fertig vorfanden. Denn „Eugenik“ meint nichts anderes als die Reinigung des „Volkskörpers“ von „kranken“ und unerwünschten „Elementen“, sprich Menschen..

In der FU-Geschichtsschreibung liest sich das so:

„Das Institut entwickelte sich schnell zu dem humangenetischen Zentrum in Deutschland und erwarb sich u.a. durch seine empirische Grundlagenforschung Anerkennung.“

Quelle: http://www.fu-berlin.de/tour/geschichtsausstellung/geschichte/kwi_anthro/index.html

An dieser Stelle hätte es sich angeboten, die heutige Humangenetik auf ihre NS-Wurzeln und unverarbeiteten Prämissen abzuklopfen, oder auch auf die menschenverachtende Kontinuität aktueller eugenischer Argumentationen etwa gegenüber Behinderten hinzuweisen. Stattdessen versucht die FU hier, mit der künstlichen Trennung „vor 1933/nach 1933“ auch noch aus einem Institut, dessen bekanntester Mitarbeiter Joseph Mengele war, symbolisches Kapital zu schlagen.

An diesen zwei Beispielen wird deutlich, was die Kommerzialisierung der Universitäten und ihre Inszenierung als Unternehmen eines zukünftigen Bildungsmarktes bedeutet: eine Geschichtswahrnehmung, die kritisch, hinterfragend ihre Verantwortung wahrnimmt, hat hier nichts zu suchen. Am Umgang der FU mit 1968 und Studierendenprotesten im Allgemeinen ließe sich dieser Vorgang genauso aufzeichnen. Zwar war der Mainstream der Geschichte immer schon Herrschaftsgeschichte, und das ist im Falle der FU nicht anders. Die Vermarktwirtschaftlichung des Erinnerns offenbart jedoch eine ungeahnte Steigerung des Verdrängens.

Denn die Universitäten der Zukunft brauchen eine Erfolggeschichte. Die „Exzellenz“ der eigenen Uni muss schon „von anfang an“, also weit in der Vergangenheit angelegt sein. Und wenn die Vergangenheit nicht dazu passt, dann wird sie eben passend gemacht. Wenn man dazu den Faschismus in Orwellscher Manier schönreden muss, dann wird auch das gemacht – der Markt verlangt es.

Gedenkpolitik, Geschichtsrevisionismus, Erinnerung und Image – genau diese Fragen sind Thema der Podiumsdiskussion „Die Freiheit die ich meine?“ welche die FSI Geschichte am 6.11 gemeinsam mit dem AStA ausrichtet.

Lenzen-Fanclub sprengt die Bühne

Ein wirklich unerwartet furioses Engagement startete gestern der „Dieter-Lenzen-Fanclub“ auf der zentralen Immatrikulationsfeier der FU-Berlin zum WS 2007/2008. Seitdem im Jahre 2001 der BDI-Präsident Hans Olaf Henkel auf der Immatrikulationsfeier von Studierenden ausgebuht und hinterher mit einer Torte beworfen wurde, gab es wohl keine derartig einprägsame Erstsemesterveranstaltung mehr an der FU.

Dabei fing es ganz harmlos an. Einen Tag vor der Immatrikulationsfeier wurde vom Fanclub zum Klatschen und Jubeln aufgerufen, bereits um 9:30 sollten sich die besonders harten Fans zum warmmachen versammeln – so jedenfalls kündigten es Flugblätter des Fanclubs in der FU-Mensa an. Auch die Polizei schien diese gelesen zu haben, bereits um 10h wurden Mannschaftswagen der Berliner Polizei in der Bolzmannstraße gesichtet.
Doch die hielten sich zurück. Einige AktivistInnen des „Exzellenzcluster vergleichendes Dosenstechen“, die sich mit zwei Kisten Sternburg-Pils und etwas Dosenbier versammelt hatten, wurden daher nur vom Wachschutz der FU belästigt. Die DosenstecherInnen wurden dann vor die Türen des Henry-Ford-Bau verwiesen. Geschmückt mit der Schildern „Eure Kinder werden so wie wir“ verteilten sie dort Freibier an Erstsemester und demonstrieren so erfolgreich Solidarität zwischen Lumpenproletariat und Elite-Uni.


Erster Jubel für „Drittmittel“ und „Exzellenz“

Doch zu Beginn der Immmatrikulationsfeier um 11h blieb zunächst alles ruhig und gesittet. Erst als der FU „Imagefilm“ in Dolby-Sorround und mit O-Tönen des Unipräsidenten die Vorzüge der FU erläuterte, begann es ein wenig surreal zu werden. Immer wenn Lenzens Gesicht auf der Leinwand erschien, brachen Teile des Publkums in frenetischen Applaus und Jubel aus…

Als dann der Dekan der Chariè-Universitätsmedizin Prof. Robert Nitsch als Ausrichter der Veranstaltung (die Immafeier wird turnusweise von verschiedenen Fachbereichen organisiert) seine Ansprache hielt, ging die Begeisterung weiter. Immer wenn die Worte „Exzellenz“ oder „Drittmittel“ fielen, gab es Jubel und Applaus aus einigen Ecken des Saals. Das Ganze muß recht eindrücklich gewesen sein. Denn in der sorgsam vorbereiteten Power-Point Präsentation zur Charité übersprang der Dekan am Ende des Vortrages ganz salopp eines seiner Dias mit den Worten „auf die Drittmittel muß ich dann nicht näher eingehen „….
Der Applaus schien leicht irritiert zu haben – offenbar wollte er die begeisterten DrittmitteljublerInnen nicht noch weiter reizen.

Die Rede des AStA: realer Studienalltag versus Eliteträume

Nach dem Dekan folgte schließlich AStA-Referentin Inga Nüthen mit einer pointierten Rede, die den Finger in genau jene Wunden legte, die das FU-Präsidium am liebsten vor aller Welt verbergen würde: autoritäre Strukturen an der FU, den Scharenberg-Berufungsskandal und zusätzlich die absurd hohen Abbruchquoten in den neuen BA-Studiengängen. Hier blieb das Publikum ruhig. Anscheinend hatte es den Lenzen-Fans schlicht die Sprache verschlagen, dass jemand derart frech am Image ihres Idols kratzte.

Dieter Lenzen zeigt sich seinen Fans – und ist einfach überwältigt

Als dann jedoch FU-Präsident Dieter Lenzen persönlich auftauchte, gab es kein Halten mehr. Minutenlanges Klatschen und Jubeln, Pfiffe, Hochrufe. Danach erklang ein offensichtlich einstudiertes, leider jedoch für die Mehrheit des Publikums im allgemeinen Trubel nicht verständliches „Lenzen-Loblied“. Auf die Melodie des Deutschlandliedes gereimt hieß es „Dieter, Dieter, über alles“ – oder so. Denn gleichzeitig versuchte Lenzen mit seiner Rede durchzudringen, und zusätzlich hatte sich an anderen Ecken des Saals der Applaus noch nicht gelegt. Die Botschaft des Songs ging also ziemlich unter. Mittlerweile ist jedoch das Lied nachzulesen auf: http://www.dieter-lenzen.de/Lieder/.

Lauter und klarer hingegen erklangen im weiteren Verlauf die Sprechchöre der Lenzen-Fans: „68 ist vorbei, nur der Markt, der macht uns frei“ – „Hoch die internationale Konkurrenz!“, „Top-Down Führungs-strategie!“, „Dieter Lenzen ein Idol – besser noch als Helmut Kohl“ – so die markantesten Sprüche. Lenzen selbst konnte sich nicht so recht gegen seine Fans wehren. Zwischendurch klang seine Rede zwar an in einigen Satzfetzen, aber das Mikrofon schien übersteuert oder er zu nah dran, so dass die klägliche Tonqualität eher noch belustigend wirkte.

Der Lenzen-Fanclub ließ sich jedoch nicht abbringen. Obwohl mittlerweile aufgebrachte Zuschauer ganz eigene Zwischenrufe starteten, es zu allerlei Geschrei kam, rissen die Sprechchöre nicht ab. Im Saal selbst war von Lenzens Rede so gut wie nichts zu verstehen. Daher macht es auch wenig aus, ob diese nun eher abgebrochen wurde, wie der Spiegel behauptet, oder „planmäßig verlief“ wie das Präsidium schreibt. Die Rede mag planmäßig vorgelesen worden sein – gehört hat sie niemand, sie wird daher wohl nur als schriftliche Überlieferung ( oder auch Überrestquelle) in die Historie eingehen. Mittlerweile ist die Lenzen-Rede auf der FU-Homepage nachzulesen, mit dem absurden Einleitungssatz „Es gilt das gesprochene Wort“. Tragikkomisch.

Bischof Huber: Warum denn nicht die HU?

Erst als Lenzen dann die Bühne verließ und Bischof Professor Huber die Bühne betrat, wurde es etwas ruhiger. Huber konnte seine Rede einigermaßen ungestört halten – abgesehen von den Stinkbomben, die Unbekannte im Saal deponiert hatten. Diese machten den Vortrag bzw. das Ausharren im Auditorium Maximum nicht gerade angenehm – weshalb auch der FSI-Reporter den Saal verließ und die Rede des Bischofs/Professors (welcher Titel ist nun vorrangig?) leider nicht mehr lauschen konnte. Laut Presseberichten nörgelte er ein wenig, dass die HU hätte „gleichrangig“ behandelt werden müssen – das ist wohl auch seine Pflicht, schließlich lehrt er ebenfalls an der HU. Die FU hat keinen Bischof als Professor und ist dennoch Elite – ein weiterer Beweis für die Gottlosigkeit und Verdorbenheit des Auswahlverfahrens im Exzellenzwettbewerb.

Protest als Störmanöver: undemokratisch und unfair?

Was bleibt vom Vormittag? Einige Leute sind buchstäblich stinksauer, andere Leute beschweren sich über das „undemokratische“ Verhalten der Störer. Doch welchen Sinn hat es, „undemokratische“ Protestaktionen zu kritisieren in einem Uni-Umfeld, das von Dieter Lenzen quasi diktatorisch dominiert wird. Die Gremien nicken die präsidialen Vorschläge einhellig ab, auch die absolute Geheimhaltung der Exzellenzanträge und die Nicht-Diskussion über die Strukturpläne der FU stößt außer bei einigen Studi-Vertreterinnen auf allgemeines Schweigen.

Und die Studis, die sich dann mal beschweren, haben nichts zu melden. In allen Gremien haben sie nur eine Minimalvertretung, Verfassungsgerichtsurteile verbieten (!) eine reale studentische Mitbestimmung an deutschen Unis, nach wie vor haben die ProfessorInnen eine Zwangsmehrheit in allen Gremien. Und da von denen sich niemand gegen Lenzen wehrt, gibt es an der FU im moment keine Opposition die innerhalb der vorgeschriebenen Kanäle irgendetwas ausrichten könnte. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus. Solange keine Demokratie in den Gremien herrscht, wird es wohl immer wieder zu derartigen Ausbrüchen kommen. Wer nicht gehört wird , der schreit irgendwann.
Ob dazu Stinkbomben nötig sind – das sei dahingestellt. Wichtig ist jedoch: die geplante Harmomie-Exzellenzshow des Präsidiums hat einen Dämpfer erhalten, und zwar zu recht.

Protestperspektiven – über den Personenkult hinaus?

Zu kritisieren wäre anderes: was kommt nach Lenzen? Auch seine Tage sind begrenzt, als Buhmann und Verkörperung der verhassten neoliberalen Uni-Umstrukturierung ist er mittlerweile legendär. Der Fanclub hat wirklich eine wahre Virtuosität darin entwickelt, die platte Offensichtklichkeit mit der Lenzen die Unternehmerideologie vertritt, auf die Spitze zu treiben. Wenn Lenzen Erstsemesterreden hält mit Titeln wie „Corporate Identity“, dann weiß man gar nicht mehr: ist das jetzt noch real? Ist es eine neue Satire? Oder ist die Uni wirklich schon so weit den Bach runter, dass sie sich für jeden Mist hergeben muss?

Dennoch – vor Lenzen gab es Peter Gaethgens, und der war nicht wirklich netter oder toller, und auch nach Lenzen werden wir es mit einem ähnlich üblen Typen (vielleicht auch einer Typin..?!) zu tun haben. Das Problem ist das System – solange die Unis Top-Down verwaltet werden, werden unsere Interessen untergehen – dafür findet sich immer ein Lenzen oder eine ähnliche Charaktermaske.

Mehr Infos:


-Pressespiegel zum Thema

-Wie das Cluster-Konzept entstand: Bericht von einer AS-Sitzung aus dem Jahr 2004

-Spiegel-Artikel zu Stinkbomben und Dosenstechen bei der Immafeier

-Rede des AStA-FU bei der Immafeier

-eine kritische Einschätzung von Lenzens bildungspolitischen Ideen: Lenzen als Bildungsrevolutionär

Studienplatzklage: Versicherung muß zahlen!

Wie das AStA FU-Blog unter Berufung auf Presseberichte mitteilte, sind Rechtsschutzversicherungen verpflichtet, auch Studienplatzklagen zu bezahlen:

Wenn ein abgelehnter Hochschulbewerber einen Studienplatz einklagen will, muss seine Rechtsschutzversicherung die Kosten dafür übernehmen. Zwar versuchen die Versicherer oft, sich vor den Kosten zu drücken – das ist aber unzulässig. Dies teilt der Bund der Versicherten (BdV) unter Berufung auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle mit. Allerdings sei die Versicherung nur verpflichtet, für zehn Verfahren pro Semester aufzukommen, entschieden die Richter (Az.: 8 U 179/06).

Dies wird zumindest in Zukunft einigen Studierwilligen den Rechtsweg erleichtern! Mehr infos erfahrt ihr hier.

Idee muss nicht vorhanden sein – Existenzgründung an der FU

Unternehmensgründer müssen her! Möglichst jung müssen sie sein, möglichst smart sollen sie sein, und vor allem kreativ. Denn Angebot schafft Nachfrage, und für eine clevere Idee, ein peppiges Produkt, findet sich immer ein Markt – lehrt uns der Liberalismus. Auch die Unis werden jetzt vermehrt in Dienst gestellt, um den vor sich hin stagnierenden Standort Deutschland mit neuen Unternehmensideen eine Frischzellenkur zu verpassen. Insbesondere an der frischgebackenen Elite-Uni FU wird daher Kreativität großgeschrieben.

Und damit auch wir das Unternehmensgründen möglichst spielerisch einüben, hat die FU-eigene Gründungsförderungsagentur „profund“ sich nun etwas ganz Tolles ausgedacht: einen „Funpreneur“-Wettbewerb. Dort können wir mit fünf Euro Startkapital unsere Geschäftsidee in nur fünf Wochen „direkt am Markt“ verwirklichen, das jedenfalls versprechen uns die tollen bunten Plakate an jedem zweiten Alleebaum.

Doch wie an vielen anderen Ecken auch stellt sich die FU hier wieder mal selbst ein Bein. Direkt unter dem Wort Funpreneur kleben kleine gelbe Zettel mit dem Vermerk „Idee muß nicht vorhanden sein“. Mit dieser Realsatire ist im Prinzip schon alles gesagt: ein Geschäftsideeenwettbewerb, in dem keine Ideen vorhanden sein müssen. Wow, das gibt’s nur in unserem Exzellenzbunker, der FachhochschulePaderborn wär sowas garantiert zu dämlich.

Funpreneur

Ein Blick auf die Website von profund offenbart das ganze Elend der neuen Gründungseuphorie. Auf der Liste der erfolgreichen Unternehmensgründungen finden wir neben einem Partyservice und einem Vertrieb für Rapskernöl auch eine Existenzgründungsberatung. Das also ist der Sinn des Studiums: Rapsöl quetschen oder Schnittchen schmieren, und wer übrig bleibt lässt sich von einer Existenzgründerberatung bei der Gründung einer Existenzgründerberatung beraten. Kapitalismus bizarr – offensichtlich haben die Postmarxisten recht: das System wird immer virtueller. Demnächst werden wir uns nicht mehr nur alle gegenseitig von Callcentern aus anrufen, sondern uns auch noch wechelweise unsere Existenz begründen.

Wem das zu philosophisch ist, für den gibt’s auch noch handfesteres. Denn auch bei profund tummeln sich auch noch echte Unternehmerpersönlichkeiten. Smarte Leute, Typen mit Ideen, Einfällen auf die noch niemand gekommen ist – der neueste und heißeste Einfall zum Gründen und Geldmachen ist: Apfelsaft.
Ratiodrink“ heißt das Unternehmen, Es produziert Saftkonzentrat „gemäß deutscher Fruchtsaftverordnung“ und hat sich deshalb die Rettung des deutschen Apfels zum Ziel gesetzt. Auf der Homepage heißt es patriotisch: „Unsere Konzentrate stammen von Äpfeln aus bekannten deutschen Anbaugebieten und sind mit billigen Konzentraten aus China nicht vergleichbar.“

So langsam erwärmen wir uns doch wieder für die Gründungsidee. Eigentlich ist es genial – jetzt wissen wir auch endlich, wohin mit den vielen Äpfeln aus der Obstwiese hinter der Silberlaube Und auch im Garten der AStA Villa hängen noch jede Menge ungepflückte Früchte an den Bäumen. Die können wir gleich mitvermatschen, dann können diese linken Weltverbesserer vom AStA endlich auch mal was praktisches für ihre Uni beitragen. FU-Studis, trinkt FU-Apfelsaft und helft euren KomillitonInnen durch die schwere Gründungsphase!

Nach dem Motto „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ will sich deshalb auch die FSI-Geschichte beim Gründungsboom beteiligen. Aber „Idee muss nicht vorhanden sein“ – sowas schluffiges machen wir nicht mit, das ist ja peinlich. Wenn schon Hype, dann bitte richtig. Deshalb rufen wir euch alle auf zum Wettbewerb: Schafft ein, zwei, viele Unternehmensideen! In der Kommentarspalte dieses Beitrags könnt ihr eure Visionen eintragen. Die beste Geschäftsidee wird prämiert mit wahlweise fünf Euro Startkapital für den Funpreneur Wettbewerb oder zwei Gratis-Sterni auf der FSI-Semesterauftaktparty. Los gehts: einfach zurück an den Anfang des Beitrags scrollen und auf „Kommentare“ klicken und was eingeben. Wundert euch jedoch nicht, wenn ihr den Kommentar nicht sofort zu sehen bekommt – die Moderation muss ihn erst freischalten.

Idee muss nicht vorhanden sein – Existenzgründung an der FU

Unternehmensgründer müssen her! Möglichst jung müssen sie sein, möglichst smart sollen sie sein, und vor allem kreativ. Denn Angebot schafft Nachfrage, und für eine clevere Idee, ein peppiges Produkt, findet sich immer ein Markt – lehrt uns der Liberalismus. Auch die Unis werden jetzt vermehrt in Dienst gestellt, um den vor sich hin stagnierenden Standort Deutschland mit neuen Unternehmensideen eine Frischzellenkur zu verpassen. Insbesondere an der frischgebackenen Elite-Uni FU wird daher Kreativität großgeschrieben.

Und damit auch wir das Unternehmensgründen möglichst spielerisch einüben, hat die FU-eigene Gründungsförderungsagentur „profund“ sich nun etwas ganz Tolles ausgedacht: einen „Funpreneur“-Wettbewerb. Dort können wir mit fünf Euro Startkapital unsere Geschäftsidee in nur fünf Wochen „direkt am Markt“ verwirklichen, das jedenfalls versprechen uns die tollen bunten Plakate an jedem zweiten Alleebaum.

Doch wie an vielen anderen Ecken auch stellt sich die FU hier wieder mal selbst ein Bein. Direkt unter dem Wort Funpreneur kleben kleine gelbe Zettel mit dem Vermerk „Idee muß nicht vorhanden sein“. Mit dieser Realsatire ist im Prinzip schon alles gesagt: ein Geschäftsideeenwettbewerb, in dem keine Ideen vorhanden sein müssen. Wow, das gibt’s nur in unserem Exzellenzbunker, der FachhochschulePaderborn wär sowas garantiert zu dämlich.

Funpreneur

Ein Blick auf die Website von profund offenbart das ganze Elend der neuen Gründungseuphorie. Auf der Liste der erfolgreichen Unternehmensgründungen finden wir neben einem Partyservice und einem Vertrieb für Rapskernöl auch eine Existenzgründungsberatung. Das also ist der Sinn des Studiums: Rapsöl quetschen oder Schnittchen schmieren, und wer übrig bleibt lässt sich von einer Existenzgründerberatung bei der Gründung einer Existenzgründerberatung beraten. Kapitalismus bizarr – offensichtlich haben die Postmarxisten recht: das System wird immer virtueller. Demnächst werden wir uns nicht mehr nur alle gegenseitig von Callcentern aus anrufen, sondern uns auch noch wechelweise unsere Existenz begründen.

Wem das zu philosophisch ist, für den gibt’s auch noch handfesteres. Denn auch bei profund tummeln sich auch noch echte Unternehmerpersönlichkeiten. Smarte Leute, Typen mit Ideen, Einfällen auf die noch niemand gekommen ist – der neueste und heißeste Einfall zum Gründen und Geldmachen ist: Apfelsaft.
Ratiodrink“ heißt das Unternehmen, Es produziert Saftkonzentrat „gemäß deutscher Fruchtsaftverordnung“ und hat sich deshalb die Rettung des deutschen Apfels zum Ziel gesetzt. Auf der Homepage heißt es patriotisch: „Unsere Konzentrate stammen von Äpfeln aus bekannten deutschen Anbaugebieten und sind mit billigen Konzentraten aus China nicht vergleichbar.“

So langsam erwärmen wir uns doch wieder für die Gründungsidee. Eigentlich ist es genial – jetzt wissen wir auch endlich, wohin mit den vielen Äpfeln aus der Obstwiese hinter der Silberlaube Und auch im Garten der AStA Villa hängen noch jede Menge ungepflückte Früchte an den Bäumen. Die können wir gleich mitvermatschen, dann können diese linken Weltverbesserer vom AStA endlich auch mal was praktisches für ihre Uni beitragen. FU-Studis, trinkt FU-Apfelsaft und helft euren KomillitonInnen durch die schwere Gründungsphase!

Nach dem Motto „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ will sich deshalb auch die FSI-Geschichte beim Gründungsboom beteiligen. Aber „Idee muss nicht vorhanden sein“ – sowas schluffiges machen wir nicht mit, das ist ja peinlich. Wenn schon Hype, dann bitte richtig. Deshalb rufen wir euch alle auf zum Wettbewerb: Schafft ein, zwei, viele Unternehmensideen! In der Kommentarspalte dieses Beitrags könnt ihr eure Visionen eintragen. Die beste Geschäftsidee wird prämiert mit wahlweise fünf Euro Startkapital für den Funpreneur Wettbewerb oder zwei Gratis-Sterni auf der FSI-Semesterauftaktparty. Los gehts: einfach zurück an den Anfang des Beitrags scrollen und auf „Kommentare“ klicken und was eingeben. Wundert euch jedoch nicht, wenn ihr den Kommentar nicht sofort zu sehen bekommt – die Moderation muss ihn erst freischalten.

NoFU strikes again?

Ein gern übersehenes Detail im Skandal um die Blockade der Berufung des Politikdozenten Albert Scharenberg wurde vor kurzem an ganz unverhoffter Stelle enthüllt. Ausgerechnet der sonst so präsidiale und in Sachen FU eher propagandistisch tätige Tagesspiegel enthüllte nämlich ein interessantes Detail aus der Vergangenheit des Vizepräsidenten Hempfer:

Das Politische werde von den Briefschreibern „hochgespielt“, sagt Hempfer, der sich einst in der „Notgemeinschaft“ an der Freien Universität engagierte. Die Notgemeinschaft war bis 1990 eine Gruppe konservativer Professoren, die die FU gegen den Einfluss linker Hochschullehrer und -gruppen verteidigen wollte. Hinter dem Brief stünden offenbar „interessierte Kreise“, die der FU im Elitewettbewerb schaden wollten, so Hempfer. Es könne kein Zufall sein, dass er wenige Tage vor der Entscheidung am kommenden Freitag erschienen sei

Hempfer vermutet also eine Verschwörung gegen die FU – ist jedoch scheinbar selbst nicht ganz abgeneigt gegenüber Meinungsmache hinter den Kulissen. Denn die einst legendäre, heute kaum noch bekannte Notgemeinschaft („NoFU“) war nicht nur irgendein X-beliebieger konservativer Professorenklüngel, sondern die entscheidende Kraft im Roll-Back gegen die seit ende der 60er Jahre von Studierenden und linken DozentInnen vorangetriebenen demokratischen Reformen an der Uni.
Unter dem ganz unideologisch-neutralen Titel „FU unter Hammer und Sichel“ gab die NoFU in den 70ern eine Zeitschrift heraus, in der in blühenden Farben eine drohende „Unterwanderung“ der FU durch Kommunistische Zellen ausgemalt wurde. Parallel dazu betätigte sich die NoFU als uniinterner Denunziantenclub: systematisch wurden die Namen linker AktivistInnen, KandidatInnen sozialistischer Wahllisten etc. gesammelt und sowohl potentiellen Arbeitgebern als auch dem Verfassungsschutz zugeschickt. In den Zeiten von Berufsverboten und Radikalenerlass hat derartiges Vorgehen so manchem Studi die Karriere zerstört.

Die Parallelen zum Fall Scharenberg sind frappierend: auch hier soll einem Dozenten aus politischen Gründen die Karriere geknickt werden. Denn trotz anderslautender Dementis ist es offensichtlich, dass allein Scharenbergs kritische Haltung und seine Mitgliedschaft im Kuratorium der Rosa Luxemburg Stiftung für die Blockade seiner Berufung verantwortlich ist. Wenn daher das Semtix-Blog dem FU-Präsidium in einer polemischen Schlagzeile „Mc-Carthy Methoden“ vorwirft und damit auf die unter Senator McCarthy während der 50er Jahre in den USA betriebene Kommunistenhatz anspielt, scheint das nicht allzuweit hergeholt. Mit Hempfer sitzen im FU Präsidium Leute, die schon in der Vergangenheit gerne mal schwarze Listen aufgestellt haben.

Die NoFU ist mittlerweile aufgelöst – jedoch nicht gescheitert, sie ist dank der Dominanz neokonservativer Kräfte an allen Schaltstellen der Macht mittlerweile überflüssig geworden, hat sich sozusagen zu Tode gesiegt. Wer sich dennoch über sie informieren will, kann dies am besten durch die im Unistreik 1988/1989 entstandene AStA-Publikation „Ein pechschwarzes Gebilde“ tun, das leider vergriffen ist, in einigen Bibliotheken jedoch noch zu haben sein müsste. Angesichts der Kontinuität der NoFU Akteure und scheinbar auch Methoden wäre vielleicht mal eine Neuauflage oder Online-Ausgabe angebracht. Bis dahin jedoch müssen wir mit einer Rezension auf der AStA-Homepage vorlieb nehmen, in der wenigstens einige wesentliche Infos versammelt sind.

Ein Bonmot am Ende: Eine der Vorfeldorganisationen der NoFU trug übrigens der hochtrabenden Titel „Bund Freiheit der Wissenschaft“ – Orwell läßt grüßen.