Archiv für den Monat: März 2007

Vizepräsidentenwahl ohne FSI Vertreter?

In einem leicht vorwurfsvollem Tonfall liest man auf dem Blog der Liberalen Hochschulgruppe über die VizepräsidentInnenwahl an der FU folgendes:

Es waren nur drei von zehn Studenten da, Martina von den Grünen, Stephan vom DEFO und ich. Jusos fehlten erneut, genauso wie diesmal alle drei gewählen Vertreter der AStA-Koalitions-Liste “FSIs/Offene Liste”. Schon bei der Wahl des Präsidenten im Februar fehlten 40% der Studentenvertreter.

Der Grund für die mangelnde Beteiligung ist einleuchtend: die Nominierung der Vizepräsidentinnen war in der letzten Sitzung bereits abgeschlossen, GegenkandidatInnen gab es nicht. Auch eine erneute inhaltliche Diskussion war nicht vorgesehen. Bereits vor der Präsidentenwahl hatte sich die Mehrheit des erweiterten Akademischen Senats geweigert, inhaltliche Wortbeiträge oder Fragen zuzulassen, weil ja bereits bei der Nominierung alles gesagt worden sei. Die Wahl beschränkte sich also auf das Abnicken von Lenzens KandidatInnen. Es gibt derzeit in diesem Gremium keine Oppositionsgruppe, die irgendeinen alternativen Kurs verfolgen würde – denn die Professorenschaft mit ihrer gesetzlich festgelegten Mehrheit folgt Lenzens Sachzwangargumenten, und die Studierendenschaft ist mit ihren 10 VertreterInnen gegenüber 31 ProfessorInnen hoffnungslos unterrepräsentiert.

Das Nichterscheinen der FSI-Vertreterinnen ist daher nicht als Desinteresse an Hochschulpolitik zu werten, sondern als politisches Statement: Wenn es weder etwas zu entscheiden gibt, noch eine inhaltliche Debatte zugelassen wird, warum sollen wir als Studierende dann das Theater auch noch mitspielen? Enthaltung durch Abwesenheit erscheint uns da als legitimes Signal, denn Demokratie ist etwas anderes.

Aber trotz professoraler Zwangsmehrheit: Auf den Sitzungen, wo wirklich etwas zu entscheiden ist, oder wo zumindest Argumente vorgebracht werden können, da ist auch in Zukunft mit kritischer Opposition seitens FSI und AStA zu rechnen. Aber zum bloßen Lächeln und Repräsentieren geben wir uns, im Gegensatz zu anderen Gruppen, nicht her.

Eine Kostprobe der Kritischen FSI-Arbeit im erweiterten AS findet ihr im Bericht über die Präsidentenwahl, ein Bild vom verkommenen Zustand der FU Demokratie zeigt eine Episode aus dem Streik 2003 .

Anmeldeschluss für Master vorverlegt!

Wie zu Beginn dieser Woche bekannt wurde, hat die FU-Leitung die Anmeldefristen für sämtliche Masterstudiengänge der FU um einen Monat vorverlegt. Einer Informationsmail des Fachbereichs Erziehungswissenschaften zufolge gilt nun der 15. August als Bewerbungsschluß, wie gesagt für alle Master der FU. Diese Bewerbungsfrist gilt für das Wintersemester 2007/2008. Die Bewerbungsfrist für das kommende Sommersemester ist bereits abgelaufen.

Der in Broschüren, Veranstaltungen und Info-Materialien angegebene Bewerbungstermin im September gilt demnach nicht mehr!

Wir hoffen, das trotz der chaotischen Informationspolitik der FU-Leitung diese Info alle potentiellen BewerberInnen erreicht. Sollte jemanden aus der plötzlichen Verlegung ein Nachteil entstehen, empfehlen wir, sich an die Hochschulberatung des AStA der FU zu wenden.

Hauptschule und Disziplinierung

reflectures! – sieben Abende darüber, die Welt zu verändern.

Mittwoch, 21.3.07, 19.30 Uhr in der Friedelstr. 54 (Projektraum im EG, Nähe U8, U7 Hermannplatz)

Wer nicht passt wird passiv gemacht? Hauptschule als Mittel der Disziplinierung

Obwohl die gesellschaftlichen Funktionen von Schule vielfältig sind, wird
beim Thema Hauptschule meist nur Disziplinierung der Schüler gefordert. Dass
es dabei immer weniger gelingt, den Hauptschülerinnen und -schülern
Zukunftsperspektiven zu bieten, ist offenkundig. Doch nicht nur um
Hauptschule soll es an diesem Abend gehen, sondern auch um die
„Bildungsgewinner“. Werden sie nicht durch das Gerede über die Hauptschulen
ebenso diszipliniert?

Mit:

Brigitte Pick (ehem. Schullleiterin Rütli-Hauptschule, angefragt),
Charlotte (Linke SchülerInnenaktion/ LISA), Jana T. (promoviert zu Disziplinierung und Kolonialismus u. arbeitete in kritischer
Jugendbildungsarbeit),
Stephan (Lehramtskandidat, arbeitet in einem Schulverweigerer-Projekt)
und den Kritischen LehrerInnen.

———

Eine Veranstaltungsreihe von reflect! – assoziation für politische bildung
und gesellschaftsforschung

Weitere Infos unter www.reflect-online.org und info[ätt]reflect-online.org

Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt von Stiftung Menschenwürde und
Arbeitswelt & Aktion Mensch

Eignungstest vor Studienbeginn?

Ein Idiotentest vor dem Studium? Wenn es nach unserem Universitätspräsidenten Dieter Lenzen geht, ist das bald an der FU Realität. Schon im Mai 2007 soll laut einer Meldung der „Berliner Morgenpost“ ein Pilotprojekt gestartet werden, bei dem StudienbewerberInnen für das Fach Psychologie im Vorfeld auf ihre „Studierfähigkeit“ überprüft werden.
Wer nicht „studierfähig ist“, wird demgemäß wohl keinen Studienplatz bekommen – nach NC und Auswahlgesprächen die nächste Hürde, um aus der sogenannten „Hochschulzugangsberechtigung“ Abitur ein wertloses Papier zu machen.

Erziehungswissenschaftler Lenzen stellt sich den Test so vor:

„Abiturienten müssen dafür an der FU zwei bis drei Stunden lang an einem Computer Fragen beantworten. Untersucht würden dabei unter anderem die Intelligenz und Problemlösungsfähigkeit der Schüler, sagte Lenzen. Es würden aber auch allgemeine Fachfragen gestellt, um das bereits vorhandene individuelle Wissen über Psychologie besser einschätzen zu können“

Gibt es Intelligenz auf diesem Planeten? Lenzen findet´s raus.

Ein Intelligenztest also soll es sein. Dabei stört niemanden die Tatsache, dass bis heute innerhalb der Wissensdisziplin Psychologie keine unumstrittene Definition für „Intelligenz“ existiert, mal abgesehen von dem Zirkelschluß dass „Intelligenz das ist, was Intelligenztests messen“.

Intelligenztests wurden im ersten Weltkrieg zum erstmals massenhaft eingesetzt, um innerhalb der US-Armee gutes von schlechtem Menschenmaterial zu unterscheiden, sie bescheinigten bis in die 60er Jahre hinein der schwarzen Bevölkerung routinemäßig eine niedere geistige Qualität. Dennoch (oder gerade deswegen?) feierten sie ihren Siegeszug und sind ein fester Bestanddteil jeder Studienbewerbung in den USA. Jedoch auch heute noch klagen Kritiker immer wieder, dass die bekannten Aufnahmetests GRE und SAT vor allem im sprachlichen Teil letztlich den Wortschatz und das Vokabular weißer Akademikerfamilien an der US-Ostküste als allein „richtiges“ und „intelligentes“ Sprachverhalten qualifizieren. Wer diesem Millieu nicht vom Säuglingsalter an ausgesetzt ist, muß eben Abstriche beim Testergebnis in Kauf nehmen…

Auch Lenzens Tests sollen sich an „US-Vorbildern“ orientieren, ohne dass in den Vorschlägen irgendwie auf die Grundsatzkritik an Testritis und Testindustrie eingegangen wird. Wahrscheinlich strebt Lenzen für die BRD das an, was die Princeton University für die USA ist: Alleinvermarkter und Monopolist des copyrightgeschützten und teuren Testverfahrens GRE. Denn bezahlen muss der Studierwillige seine Tests in den USA natürlich selbst…

multifarious?

Der Verfasser dieser Zeilen hatte einmal das zweifelhafte Vergnügen, sich diesem sogenannten Graduate Record Exam (GRE) zu versuchen. Nach totaler Panikattacke im mathematischen Teil wurden sämtliche dortigen Multiple-Choice Fragen durch schlichtes Raten gelöst, dennoch war dessen Ergebnis noch besser als das im sprachlichen Teil – denn das korrekte Antonym für Worte wie „multifarious“ wollte dem Probanden trotz aller Mühe innerhalb der knappen Testzeit nicht einfallen. Leistung pro Zeit wird hier gemessen, nichts anderes.

Genommen wurde der Autor übrigens dennoch – nicht wegen, sondern trotz der Testergebnisse. Auf das legen die wirklichen „Eliteuniversitäten“ nämlich gar nicht so viel Wert, weil sie mehr auf Arbeitsproben und Empfehlungsschreiben achten. Anscheinend muss die möchtegern Elite-Uni FU erstmal alle Kinderkrankheiten des US-Systems selbst durchmachen, anstatt sich dessen Stärken anzueignen, wie etwa eine vielerorts recht intensive Betreuung der Studierenden durch die Lehrenden.

Tutorien statt Tests!

Aber für gute Betreuung ist kein Geld da, also soll vorselektiert werden. Dabei gab es früher eine recht preisgünstige Lösung, gerade im Fach Psychologie: studentische und selbstverwaltete Tutorien brachten in den 90ern den Erstsemestern das Fachwissen näher, bauten Hemmungen ab und schufen angstfreie Räume, in denen der Einstieg ins Universitätsleben erleichtert wurde.
Doch diese Sorte 400 Euro Jobs wurde natürlich im Hauen und Stechen um die Geldmittel als erstes gekürzt. Die menschlichere Alternative zum Computertest wären sie allemal.

Zum Originalbericht der Morgenpost geht es hier, einen weiteren Kommentar zu Lenzens Bildungsutopien findet ihr hier.

Finde den Fehler! Sexismus und Normalität

reflectures – sieben Abende darüber, die Welt zu verändern

Mittwoch, 14.03.07 um 19:30 in der Friedel 54 – Projektraum in der
Friedelstr. 54, Berlin Neukölln, U Hermannplatz

Medien spiegeln gesellschaftliche Geschlechterbilder und -verhältnisse wider
und helfen, sie immer wieder zu aktualisieren. Wir möchten mit Euch anhand
von einem Beispiel über gängige Darstellungen diskutieren und überlegen, wie
mehr Menschen für das Hinterfragen von Geschlechterbildern sensibilisiert
werden können.

———
Eine Veranstaltungsreihe von reflect! – assoziation für politische
bildung und gesellschaftsforschung

Weitere Infos unter http://www.reflect-online.org/ und
info[ätt]reflect-online.org

Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt von Stiftung Menschenwürde und
Arbeitswelt & Aktion Mensch

Dieter Lenzen als Bildungsrevolutionär?

Vor zwei Tagen machte der jüngst wiedergewählter FU-Präsident Dieter Lenzen wieder mal Schlagzeilen: Ein Bildungsrevolutionär sei er, titelte die Süddeutsche Zeitung am 8. März dieses Jahres, und lobte seine Vorschläge geradezu in den Himmel.

Ein genauer Blick zeigt jedoch: Lenzens Vorschläge sind weder neu noch revolutionär, sondern laufen letzendlich auf die seit 20 Jahren gebetsmühlenartig wiederholten Rufe nach mehr Wettbewerb und Privatisierung heraus, die mittlerweile abseits des „Experten“ und Unternehmensberater-Millieus kaum noch jemand hören mag. Deshalb bemüht sich Lenzen, scheinbar linke Forderungen aufzugreifen, und so tatsächlich den Anschein einer fortschrittlichen Reform zu erwecken. Zum Beispiel die Forderung nach einem Studium auch ohne Abitur oder nach regelmäßigeren Fortbildungen für Lehrer oder besserer Integration von MigrantInnen. Alles an sich nicht schlecht, jedoch der Teufel steckt im Detail.

Studium ohne Abitur?

Das Studium ohne Abitur ist für Lenzen nämlich verbunden mit dem Nachweis der „Studierfähigkeit“, also mit weiteren Prüfungen: „neben dem Abitur bekämen fächerspezifische Tests, die Hochschulen oder spezielle Test-Firmen anbieten, größeres Gewicht“. Das bedeutet faktisch keine Ausweitung des Abiturs als Hochschulzugangsberechtigung auf breitere Schichten der Gesellschaft, sondern eine Privatisierung des Hochschulzugangs. Statt einem allgemeingültigen Test müssten sich Studierwillige nun an jeder Hochschule neu testen lassen, oder die Hochschulen würden allgemeine Tests von Privatfirmen anerkennen, nach dem Muster der US Tests „SAT“ oder „GRE“. Diese Tests sind jedoch nicht nur kostenpflichtig und teuer, sie entziehen sich auch jeder demokratischen Kontrolle, da sie von Privatfirmen nach eigenem Gusto entworfen werden – nicht einmal die Testfragen sind bekannt, auch nicht hinterher, den sie unterliegen dem Copyright.

Zudem haben die Studierfähigkeitstests eine extreme Klassen- und Millieublindheit, was auch in den USA immer stärker kritisiert wird. So beruht etwa der Nachweis der „Studierfähigkeit“ extrem auf dem Wortschatz des Probanden, und ein guter Wortschatz definiert sich in Amerika durch die Sprachgewohnheiten weißer Mittel- und Oberklassen AkademikerInnen der US-Ostküste. Wer nicht aus diesem Milleu stammt, wird es schwerer haben, und über das tatsächliche Wissen oder die Fähigkeit zum Lernen wird so eh nichts ausgesagt.

Eine derartige Privatisierung des Abitur wäre also kein Fort-, sondern ein Rückschritt und würde den Hochschulzugang für viele eher erschweren und komplizieren.

Lehrerfortbildung und Integration von MigrantInnen

Aber wie ist es mit der nächsten Forderung, der Fortbildung der Lehrer? An sich nicht verkehrt, nur daß Lenzen Zwangsfortbildungen fordert. Lehrer sollen „grundsätzlich befristet beschäftigt werden“, und wer sich nicht fortbildet, der fliegt. Dies bedeutet massive und lebenslange Arbeitsunsicherheit für Lehrerinnen, statt positiver Motivation eine Lebenslange Einschüchterung, die sicher nicht zum Rückang von unter Lehrerinnen stark verbreiteten „Burn Out Syndrom“ und anderen Berufskrankheiten führt.
Weiter geht es mit den progressiven Forderungen: „Um Migranten und Kinder aus armen Familien besser zu fördern, soll der Staat Zielvereinbarungen mit einzelnen Schulen schließen und erfolgreiche Einrichtungen belohnen“. Und das soll eingebettet sein in einen allgemeinen Wettbewerb der Schulen, denen man mehr Autonomie zugestehen will.
Faktisch jedoch bedeutet das, dass die Schulen, genau wie jetzt die Universitäten, mit massiv gekürzten Mitteln weiterhin dasselbe leisten sollen, ja sogar Zusatzaufgaben wie die verstärkte Integration von MigrantInnen übernehmen müssen. Wettbewerb muß also das ersetzen, was in anderen Zeiten selbstverständlich war: eine angemessene Ausfinanzierung der Schulen. Unklar ist, wie etwa der Wettbewerb einfach so die Klassengröße senken und bessere Betreuung herstellen soll.

Das Ergebnis wird folgendes sein: Wettbewerb erzeugt Gewinner und Verlierer, die jetzt schon vorhandenen krassen Unterschiede zwischen behüteten Elite-Gymnasien und schlecht ausgestatteten Innenstadt-Hauptschulen werden größer werden. Mit dem „transparenten Informationssystem“ in Form eines Schul-Rankings, das Lenzen ebenfalls fordert, wird nochmal zusätzliche Panikmache erzeugt und die realen qualitätsunterschiede werden maßlos übertrieben. Bildungsbewusste Mittelschichts-Eltern werden dann ihre Kindern in den Top-Ten Schulen der jeweiligen Stadt sammeln, der Rest bleibt hängen. Irgendwann werden die Top-Ten Schulen Kapital aus ihrer Position schlagen und massiv Schulgeld verlangen, und dann haben wir ihn wieder: den Feudalismus im Bildungssystem.

Ungleichheit als Folge

Anstatt revolutionärer Vorschläge setzt Lenzen uns also nur die altbekannte Privatisierungs- und Wettbewerbsschiene vor, garniert mit ein paar sozialen Deck-Argumenten, damit die Vorschläge besser ins Ohr gehen. Faktisch jedoch, und dass kann man im Ausland gut beobachten, führt Wettbewerb zu einer krassen Sortierung der „Bildungsanbieter“ in Spitze und Rest und somit zu massiv verstärkter Ungleichheit im Bildungswesen.
Wer wirklich bessere Bildung will, wird nicht umhin kommen, mehr Finanzmittel für Schulen und Universitäten zu verlangen, um bessere Betreuung sicherzustellen. Und statt dem Wettbewerb irgendwelche übernatürlichen Fähigkeiten zuzuschreiben, sollte man sich in der Realität umsehen: faktisch gesehen sorgt das Finnische System der Einheitsschule dafür, dass dieses Völkchen beim Pisa-Test am besten abschnitt. Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystem und Einführung eines Gesamtschulsystems mit angemessener Betreuungsdichte, dass wäre revolutionär.

Ralf Hoffrogge, FSI Geschichte FU

Geschichte wird plattgemacht…

Abriss des Jugendzentrums „Ungdomshuset“

Gestern fuhren die Bagger vor: vier Tage nach der Räumung des Kopenhagener alternaviven Zentrums „Ungdomshuset“ begannen am gestrigen morgen die Abrissarbeiten. Das Ungdomshuset – zu deutsch „Jugendhaus“ wurde 1897 als „Volkshaus“ errichtet und diente als Zentrum und Versammlungsort der dänischen Arbeiterbewegung. Nach längerer fremdnutzung wurde es im Jahre 1982 besetzt und dann von der Stadt Kopenhagen der linken Jugendbewegung als Treffpunkt überlassen.
Das Agreement wurde jedoch einseitig aufgekündigt, die Stadt veräußerte das Haus an eine christliche Sekte, die zunächst die Räumung und nun auch den Abriss durchsetzte. Ein Ersatzgebäude ist nicht in Sicht.

Protestdemo am 10. März

Am kommenden Samstag, dem 10 März findet in Berlin eine Protest- und Solidaritätsdemo gegen den Abriss statt. Treffpunkt ist, bisher geplant, um 18 Uhr am Hackeschen Markt. Bei Verlegung informiert das Terminportal „Stressfaktor“ im Internet. Eine Demo, die sich lohnt, meinen wir.

Abriss eines Historischen Ortes der Frauenbewegung

Denn mit dem Abriss fällt nicht nur ein europaweit bekannter Treffpunkt und Vernetzungsort der alternativen Jugendbewegung fort, sondern es wurde auch ein Denkmal der Frauenbewegung geschliffen. Genau diesem Gebäude in der Straße „Jagtvej 69“ tagte nämlich im August 1910 eine die „Zweite internationale Konferenz sozialistischer Frauen“, wo damals auf Antrag der deutschen Sozialistin Clara Zetkin erstmals die Begehung eines jährlichen Internationalen Weltfrauentages beschlossen wurde. Dieser Weltfrauentag, anfangs noch mit wechselnden Daten, später auf den 8. März festgelegt, wird bis heute von Frauen und Männern auf der ganzen Welt als Kampftag für Frauenrechte begangen.

Gedenken an Clara Zetkin auch in Berlin abgewickelt

Um so brutaler erscheint der Abriss des heutigen Ungdomshuset, drei Tage vor dem Weltfrauentag, eine Kampfansage nicht nur an die linke Szene der Stadt, sondern auch ein Angriff auf die Traditionen der Frauenbewegung. Aber nicht nur in Dänemark hat man wenig Repekt vor Bewegungsgeschichte: auch in Berlin wurde ende 1995 die Clara-Zetkin-Straße in Mitte umbenannt in Dorotheenstraße, unter anderem auf Betreiben des HU-Chefhistorikers Heinrich August Winkler. Eine preußische Kurfürstin paßte wohl nicht nur ihm besser ins Stadtbild des neuen Berlin als eine sozialistische Frauenrechtlerin.

Aktionen zum Frauentag: 8. März um 14 Uhr auf dem Hermannplatz

Nicht nur gegen den Abriss des Ungdomshuset, sondern auch zum Frauentag selbst finden selbstverständlich Aktionen in Belin statt, zum Beispiel eine Demo am 8. März um 14 Uhr am Hermannplatz in Neukölln, mehr dazu ebenfalls im „Stressfaktor“.

Geschichtsbewusste finden übrigens das Originalprogramm der Frauenkonferenz von 1910 mittlerweile auch in Quellensammlungen im Internet, zum beispiel hier. Zetkins Antrag zum Frauentag findet sich auf Seite drei.

Geschichte wird plattgemacht…

Abriss des Jugendzentrums „Ungdomshuset“

Gestern fuhren die Bagger vor: vier Tage nach der Räumung des Kopenhagener alternaviven Zentrums „Ungdomshuset“ begannen am gestrigen morgen die Abrissarbeiten. Das Ungdomshuset – zu deutsch „Jugendhaus“ wurde 1897 als „Volkshaus“ errichtet und diente als Zentrum und Versammlungsort der dänischen Arbeiterbewegung. Nach längerer fremdnutzung wurde es im Jahre 1982 besetzt und dann von der Stadt Kopenhagen der linken Jugendbewegung als Treffpunkt überlassen.
Das Agreement wurde jedoch einseitig aufgekündigt, die Stadt veräußerte das Haus an eine christliche Sekte, die zunächst die Räumung und nun auch den Abriss durchsetzte. Ein Ersatzgebäude ist nicht in Sicht.

Protestdemo am 10. März

Am kommenden Samstag, dem 10 März findet in Berlin eine Protest- und Solidaritätsdemo gegen den Abriss statt. Treffpunkt ist, bisher geplant, um 18 Uhr am Hackeschen Markt. Bei Verlegung informiert das Terminportal „Stressfaktor“ im Internet. Eine Demo, die sich lohnt, meinen wir.

Abriss eines Historischen Ortes der Frauenbewegung

Denn mit dem Abriss fällt nicht nur ein europaweit bekannter Treffpunkt und Vernetzungsort der alternativen Jugendbewegung fort, sondern es wurde auch ein Denkmal der Frauenbewegung geschliffen. Genau diesem Gebäude in der Straße „Jagtvej 69“ tagte nämlich im August 1910 eine die „Zweite internationale Konferenz sozialistischer Frauen“, wo damals auf Antrag der deutschen Sozialistin Clara Zetkin erstmals die Begehung eines jährlichen Internationalen Weltfrauentages beschlossen wurde. Dieser Weltfrauentag, anfangs noch mit wechselnden Daten, später auf den 8. März festgelegt, wird bis heute von Frauen und Männern auf der ganzen Welt als Kampftag für Frauenrechte begangen.

Gedenken an Clara Zetkin auch in Berlin abgewickelt

Um so brutaler erscheint der Abriss des heutigen Ungdomshuset, drei Tage vor dem Weltfrauentag, eine Kampfansage nicht nur an die linke Szene der Stadt, sondern auch ein Angriff auf die Traditionen der Frauenbewegung. Aber nicht nur in Dänemark hat man wenig Repekt vor Bewegungsgeschichte: auch in Berlin wurde ende 1995 die Clara-Zetkin-Straße in Mitte umbenannt in Dorotheenstraße, unter anderem auf Betreiben des HU-Chefhistorikers Heinrich August Winkler. Eine preußische Kurfürstin paßte wohl nicht nur ihm besser ins Stadtbild des neuen Berlin als eine sozialistische Frauenrechtlerin.

Aktionen zum Frauentag: 8. März um 14 Uhr auf dem Hermannplatz

Nicht nur gegen den Abriss des Ungdomshuset, sondern auch zum Frauentag selbst finden selbstverständlich Aktionen in Belin statt, zum Beispiel eine Demo am 8. März um 14 Uhr am Hermannplatz in Neukölln, mehr dazu ebenfalls im „Stressfaktor“.

Geschichtsbewusste finden übrigens das Originalprogramm der Frauenkonferenz von 1910 mittlerweile auch in Quellensammlungen im Internet, zum beispiel hier. Zetkins Antrag zum Frauentag findet sich auf Seite drei.

Geschichte wird plattgemacht…

Abriss des Jugendzentrums „Ungdomshuset“

Gestern fuhren die Bagger vor: vier Tage nach der Räumung des Kopenhagener alternaviven Zentrums „Ungdomshuset“ begannen am gestrigen morgen die Abrissarbeiten. Das Ungdomshuset – zu deutsch „Jugendhaus“ wurde 1897 als „Volkshaus“ errichtet und diente als Zentrum und Versammlungsort der dänischen Arbeiterbewegung. Nach längerer fremdnutzung wurde es im Jahre 1982 besetzt und dann von der Stadt Kopenhagen der linken Jugendbewegung als Treffpunkt überlassen.
Das Agreement wurde jedoch einseitig aufgekündigt, die Stadt veräußerte das Haus an eine christliche Sekte, die zunächst die Räumung und nun auch den Abriss durchsetzte. Ein Ersatzgebäude ist nicht in Sicht.

Protestdemo am 10. März

Am kommenden Samstag, dem 10 März findet in Berlin eine Protest- und Solidaritätsdemo gegen den Abriss statt. Treffpunkt ist, bisher geplant, um 18 Uhr am Hackeschen Markt. Bei Verlegung informiert das Terminportal „Stressfaktor“ im Internet. Eine Demo, die sich lohnt, meinen wir.

Abriss eines Historischen Ortes der Frauenbewegung

Denn mit dem Abriss fällt nicht nur ein europaweit bekannter Treffpunkt und Vernetzungsort der alternativen Jugendbewegung fort, sondern es wurde auch ein Denkmal der Frauenbewegung geschliffen. Genau diesem Gebäude in der Straße „Jagtvej 69“ tagte nämlich im August 1910 eine die „Zweite internationale Konferenz sozialistischer Frauen“, wo damals auf Antrag der deutschen Sozialistin Clara Zetkin erstmals die Begehung eines jährlichen Internationalen Weltfrauentages beschlossen wurde. Dieser Weltfrauentag, anfangs noch mit wechselnden Daten, später auf den 8. März festgelegt, wird bis heute von Frauen und Männern auf der ganzen Welt als Kampftag für Frauenrechte begangen.

Gedenken an Clara Zetkin auch in Berlin abgewickelt

Um so brutaler erscheint der Abriss des heutigen Ungdomshuset, drei Tage vor dem Weltfrauentag, eine Kampfansage nicht nur an die linke Szene der Stadt, sondern auch ein Angriff auf die Traditionen der Frauenbewegung. Aber nicht nur in Dänemark hat man wenig Repekt vor Bewegungsgeschichte: auch in Berlin wurde ende 1995 die Clara-Zetkin-Straße in Mitte umbenannt in Dorotheenstraße, unter anderem auf Betreiben des HU-Chefhistorikers Heinrich August Winkler. Eine preußische Kurfürstin paßte wohl nicht nur ihm besser ins Stadtbild des neuen Berlin als eine sozialistische Frauenrechtlerin.

Aktionen zum Frauentag: 8. März um 14 Uhr auf dem Hermannplatz

Nicht nur gegen den Abriss des Ungdomshuset, sondern auch zum Frauentag selbst finden selbstverständlich Aktionen in Belin statt, zum Beispiel eine Demo am 8. März um 14 Uhr am Hermannplatz in Neukölln, mehr dazu ebenfalls im „Stressfaktor“.

Geschichtsbewusste finden übrigens das Originalprogramm der Frauenkonferenz von 1910 mittlerweile auch in Quellensammlungen im Internet, zum beispiel hier. Zetkins Antrag zum Frauentag findet sich auf Seite drei.

Warum jede Lohnarbeit prekär ist…

reflectures – sieben Abende darüber, die Welt zu verändern

Start am 07.03.07 um 19:30 in der Friedel 54 – Projektraum in der
Friedelstr. 54, Berlin Neukölln, U Hermannplatz

Muddling through
oder: Warum jede Lohnarbeit prekär ist

Wir unterhalten uns über die Widersprüche, die wir tagtäglich erleben,
wenn wir lohnarbeiten gehen müssen oder wenn wir als
Hartz-IV-EmpfängerIn zur Reservearmee des Kapitals gehören. Wie können
angeblich ganz alte Theorien und dicke fette Bücher uns helfen, die
ganze ökonomische Scheisse wenigstens ein bisschen zu verstehen? Und wie
kommt man damit voran, um die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen zu
bringen?

Mit: reflect! und Wildcat

———
Eine Veranstaltungsreihe von reflect! – assoziation für politische
bildung und gesellschaftsforschung

Weitere Infos unter http://www.reflect-online.org/ und
info[ätt]reflect-online.org

Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt von Stiftung Menschenwürde und
Arbeitswelt & Aktion Mensch